Sonntag, 14. November 2010

"Don't yell at me!"

Wir sind jetzt schon zwei Wochen in Gisborne. Das ist eine ganz schoen lange Zeit fuer Backpacker und langsam aber sicher wollen wir weiter. Nach und nach ist hier schon etwas Routine eingekehrt: Wir kennen die Leute im Hostel, die Stadt, die ein oder andere Bar, den Strand und zwei Kiwiplantagen. Kurzum, fuer Rucksackreisende sind wir schon zu lange hier. Die Ereignisdichte ist nicht mehr so hoch wie in den ersten Tagen in Neuseeland, nichtsdestotrotz passierte in den letzten zwei Wochen doch so einiges. Hier ein kurzer Abriss:

Der eigentliche Grund fuer unseren laengeren Aufenthalt war unser Job - achja, und natuerlich Esther ;-). Der Versuch unsere Reisekasse aufzubessern hat nicht so gut geklappt, wie wir uns erhofft haben, aber ein klein wenig im Plus sind wir letztendlich schon raus gekommen. Unser Contractor, den wir den SchINDER getauft haben, hat uns ganz schoen Nerven gekostet. Nur zum Verstaendnis, ein Contractor schnappt sich Backpacker als Arbeitskraefte und laesst sie auf den Plantagen in der Umgebung arbeiten. Unser Contractor - der SchINDER - ist im Lexikon gleich neben dem Wort "unfaehig" zu finden:

Der SchINDER kommt aus SchINDIEN und spricht sehr unverstaendliches Englisch. Er hat ein behINDERtes Verstaendnis von Raum und Zeit und ist prinzipiell zu einer Zeit, die nicht abgemacht war an einem Ort, den keiner kennt. Wer seinen Arbeitgeber hasst, hat noch nicht versucht, mit dem SchINDER zu reden. Falls man ihn versucht zu erreichen, ist sein INDERnet ueberlastet und die Kritzeleien auf seinem Blog, die unsere Arbeitsleistung darstellen sollen, sind unleserlich, indisch, israelisch, kyrillisch, altaegyptisch, falsch, chaotisch und auf keinen Fall dafuer gedacht, jemals wieder von irgendeiner Menschenseele verstanden zu werden.

(Der SchINDER wurde auf jeden Fall zu einem absoluten Running Gag. Schon vom ersten Tag an haben wir uns tierisch ueber ihn lustig gemacht und seine indische Aussprache verballhornt sowie tausend schlechte Wortwitze gerissen.

Flo: Wo ist eigentlich der SchINDER?
Felix mit indischem Akzent: HINDER dir.
Alle lachen, SchINDER  guckt dumm.)

An unserem letzten Arbeitstag (gestern), an dem es um unser Geld ging, bin ich zwischendurch richtig laut und ungemuetlich geworden. Er hat dann wohl ein bisschen Angst vor Felix und mir bekommen, "Don't yell at me.", und seine Geheimtexte nochmal ueberdacht.

Natuerlich betruegt der geistig mINDERbemittelte SchINDER seine Backpacker um ein paar Dollar, aber dieser Hampelmann hat gestern einfach gar nichts auf die Reihe gebracht. Dahinter war noch nicht einmal eine boese Absicht, sondern IN DER Tat einfach Dummheit. Nach dem wir ihm mit etwas Nachdruck erklaert hatten, dass seine kryptographischen Gemaelde einfach falsch waren, sollte jetzt aber alles glatt laufen Was uns in diesem Zusammenhang uebrigens etwas verwundert hat, ist, dass wir scheinbar wirklich die Einzigen waren, die - typisch deutsch - ihren Lohn ausgerechnet haben. So ein paar Chilenen, die mit uns auf der Plantage gearbeitet haben, haben sich von ihrem Gehaltscheck einfach ueberraschen lassen. (Nur zur Erinnerung, wir wurden alle nach Leistung bezahlt.)

Wir haben uebrigens auf zwei verschiedenen Kiwiplantagen gearbeitet. Als wir die erste fertig hatten, sind wir auf die naechste gewechselt. Ein ganz schoenes Plaetzchen - wenn man nicht gerade Arbeiten muss -, das den Namen "Paradise" traegt. Paradise liegt auf einer Landzunge, die von einem Fluss umschlossen wird und eigentlich nur mit einer Seilbahn ueber den Fluss zu erreichen ist - auf jeden Fall ein schoener Arbeitsweg. Diese wunderschoene Seilbahn zu schrotten, war fuer uns ein Kinderspiel... Wir wollten heim, es war niemand da, und in einem nicht richtig verschlossenen Schuppen war die Steuerung, was soll ich sagen... Irgendjemand kam, hat sie wieder repariert und uns vom Paradies zurueck geholt, alles halb so wild. Und wenn die Technik mal streikt, dann natuerlich richtig. Unser Auto sprang naemlich auch nicht an. Wir hatten vergessen das Licht auszuschalten und die Batterie war leer. Unser Wayne faengt an zu piepsen, wenn man schneller als 105 km\h faehrt, aber wenn man das Licht anlaesst und aussteigt ist er mucksmaeuschenstill. Wie wir schnell heraus gefunden haben, klappt das bei Automatikautos nicht so richtig mit dem Anschieben. Aber der nette Herr, der wegen uns schon die Seilbahn wieder richten musste, hat uns auch noch ueberbrueckt :-) . Wenn wir schon gerade beim Thema Auto sind: Sicherheitshalber haben wir wegen der Fluessigkeit am Hinterrad noch bei einem Mechaniker vorbei geschaut. Wie angenommen war es nur ueberschuessiger Klebstoff von der Reparatur.


Akku leeeeeeer...
Unser Job war nicht wirklich ein Traumjob, aber besser als nichts. Zwischendurch haben wir versucht an etwas Besseres zu kommen, leider Fehlanzeige. Backpacker bekommen eben vorallem Plantagenarbeit.

Jobsuche im Internet in der Library
Die Zeit in Gisborne haben wir auch noch genutzt, um einige organisatorische Dinge zu Regeln. Daniel und ich haben jetzt ein Konto und eine Steuernummer. Fuer die Steuernummer haben wir auch zwei Anlaeufe gebraucht, aber alles in allem wuerde ich die Buerokratie in Neuseeland harmloser als die in Deutschland einschaetzen. Fuer alle Tanzbegeisterten: Waehrend wir in der Bank waren, lief im uebrigens David Guetta in der Empfangshalle.

David Guetta ist ganz nebenbei eine gute Ueberleitung zu dem, was wir sonst noch so gemacht haben. An einem Abend waren wir in einem Club. Im Verlgeich zu Neuseeland ist Deutschland etwas pruede. Als wir uns "das Treiben" auf der Tanzflaeche so angeschaut haben, dachten wir, wir waeren im falschen Film.
Auch an ein, zwei anderen Abenden haben wir ein Bisschen was getrunken und uns noch ein paar Mal mit Esther getroffen. Zwei Mal waren wir am Wainui Beach und auch mehrmals am Strand im Gisborne -  davon gabs zwei Mal abends ein Feuerwerk. Zu unseren Aktivitaeten tagsueber gehoerten unter anderem Schach spielen, auf der slag line balancieren - sau schwer! - Schnorcheln, die Umgebung erkunden und noch einiges mehr.

Wainui Beach

Tjahaaa...



auf der slag line
Mit Schnorcheln meine ich eigentlich meinen Versuch, mein Abendessen zu fangen. Ich habe von einem unserer spanischem Mitbewohner einen Neoprenanzug geliehen bekommen und bin mit Mat (noch ein Mitbewohner) und Felix raus ans Meer gefahren. Ich bin bei der Crayfish-Jagd leider leer ausgegangen, aber Mat hat mir einen von seinen abgegeben. Fuer ein ganzes Abendessen hat es leider nicht gereicht, aber super geschmeckt hat es trotzdem.


Vorbereitungen fuer die Jagd auf das Abendessen
Am Freitag, also gestern, brachte Esther Flo, Daniel und Lorenz auf einen Aussichtsplatz, von dem man ganz Gisborne samt schoener Umgebung sehen konnte. Waehrend Felix und ich fast den SchINDER getoetet haben, haben die vier ein paar schoene Fotos geschossen.



die Aussicht ueber die Bucht vor Gisborne
Achja, und unsere Kochkuenste werden auch immer besser... Wir hatten leicht angebranntes Brot :-P , Crayfish, super Kaiserschmarn, Kartoffelpuffer und und und - natuerlich alles low budget mit Zutaten der Marke Budget.

Hmmmmmm..., das war das erste. Mittlerweile werden unsere Brote richtig gut. Zu kaufen gibt es naemlich nur toastbrotaehnliche Pampe, die nicht satt macht.



ein Crayfish
viele Crayfishe

ein halber Crayfish
Morgen geht es weiter nach Napier und Hastings. Daniel und ich fahren mit dem Auto, Flo und Lorenz sind heute schon mal vorgetrampt.


Gaudi im Zimmer - Deutschlad steht ein harter Winter bevor :-P

Bis zum naechsten Mal,
eure Chaostruppe Fabi, Flo und Daniel

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