Montag, 22. November 2010

"Are you scared now?"

Hallo miteinander. Es gibt wieder Neuigkeiten. Dieses Mal melden wir uns aus Te Puke. (Das heißt übrigens nicht „zum Kotzen“, sondern ist Maori und steht für irgendetwas mit „Berg“.) Seit der letzten Woche ist so einiges passiert. Da Daniel und ich (Fabi) durchgehend zusammen unterwegs waren und Flo noch ein zwei Tage mit Lorenz verbracht hat, denke ich, Flo wird noch einen Blogeintrag nachliefern. Und den Teil, den wir zusammen erlebt haben, nehme ich schon mal vorweg. 
Also, gehen wir chronologisch vor. Der letzte Blogeintrag war samstagabends vor einer Woche. (Wir haben es allerdings wegen dem schrecklichen Internet hier erst am Sonntagmorgen hinbekommen ihn freizuschalten.) Nachdem wir noch Bekanntschaft mit einem weiteren Weltenbummler gemacht haben, der 10 Monate durch Asien gereist ist und jetzt Neuseeland besucht,  konnten Daniel und ich uns sonntags Mittags von Gisborne losreisen und sind mit Wayne Flo und Lorenz hinter her gefahren bzw getuckert.  Ein paar Kilometer später, in Morere, haben wir schon die erste Pause eingelegt. Ein kleiner  Thermalpark lag direkt auf unserem Weg. Es gab heiße Pools mitten im Dschungel. Eigentlich ist die Anlage öffentlich, aber wir hatten sie trotzdem komplett für uns alleine. Nach fast zwei Stunden Genuss und Relaxen waren wir dann wieder auf der Straße. Abends haben wir den bisher schönsten Schlafplatz gefunden - eine gemähte Wiese auf einem Hügel, von zwei Seiten vom Meer umschlossen mit weitem Ausblick. Über diesen Wunschtraum jedes Campers sind wir auf der Suche nach Mahia Beach gestolpert.  Der Morgen war leider nicht so toll wie der Abend. Flo und ich haben uns jeweils ein billiges Einmannzelt gekauft, das den Regen zu trinken scheint. Flo hatte versucht mich via SMS zu warnen. Aber die habe ich erst gelesen, nachdem ich schon in einem kleinen See aufgewacht war. Naja, hat unsere Laune nicht so wirklich getrübt und mittlerweile haben wir den Schrott zurück gebracht und gegen etwas Vernünftiges eingetauscht.
Mahia Beach haben Daniel und ich dann erst am nächsten Morgen gefunden. (Das Schild und der Strand waren gut versteckt.) Wir haben schon schönere Strände hier gesehen. Das einzig besondere an den Küsten in dieser Region ist der schwarze Sand. (Die Farbe kommt vom hohen Eisengehalt.)
Nach dem Frühstück am Strand ging‘s weiter nach Napier… ohne vorher zu tanken… Auf halber Strecke ging die Reserve Leuchte an und irgendwo im wunderschönen Nirgendwo Neuseelands gibt es natürlich keine Tankstellen. So langsam und spritsparend sind wir selten gefahren. Wir waren froh über jeden Berg, den wir noch hochkamen und haben uns immer bis weit in die Ebene ausrollen lassen. Die Fahrer hinter uns sind fast wahnsinnig geworden, aber wir hatten eigentlich ziemlich gute Laune. (Mit dem mp3-Player im Ohr haben wir angefangen alte Lieder umzudichten: „Mein Mitsubishi fährt knapp über zehn. Schwupps, die Polizei hats nicht gesehen. Ich brauch Gas. Ich brauch Gas, ich brauch Gas.“)  Schließlich sind wir dann doch mit dem letzten Tropfen Sprit in Napier eingerollt. Tanken, weiter im Programm. Wir haben uns kurz die Stadt angeschaut, bevor wir dann abends wieder mit Flo und Lorenz zusammen gestoßen sind. Übernachtet haben wir alle zusammen auf einer großen Wiese vor einer Flussmündung ins Meer. Dort waren noch vier weitere Autos, alle vollgestopft mit Backpackern. Unter vielen anderen haben wir dort einen lustigen Franzosen und Mara kennen gelernt, mit denen wir abends am Lagerfeuer saßen. Da Flo dort mehr Nächte verbracht hat als Daniel und ich, soll er euch davon ausführlich berichten.  Nach unserer zweiten Nacht dort, also  am Mittwochmorgen, ging‘s ans Cape Kidnappers. Eine ca. 4 Stunden lange Wanderung zwischen Meer und Klippen führte uns drei zu den Brutstätten von Basstölpelkolonien am Kap der Hawkes Bay und wieder zurück. Wir sind etwas zu spät aufgebrochen, sodass wir an einigen Stellen kleine Probleme mit der Flut bekamen, da der Weg eigentlich nur bei Ebbe zugänglich ist.  Direkt im Anschluss sind Daniel und ich nach Taupo aufgebrochen. Flo und Lorenz haben noch einmal eine Nacht auf der Backpackerwiese zwischen Napier und Hastings verbracht, während wir die Abendstimmung am Lake Taupo genossen. Was noch so in Napier passiert ist, soll euch Flo erzählen, ich mache weiter mit Daniels und meinem Donnerstag. Der lief ungefähr so ab: Aufstehen,  kurze Einweisung in Golf, ein paar Balle schlagen, den Yachthafen anschauen, Mittagessen, Skydiven, die Huka Falls bewundern, ein paar israelische Exsoldatinnen zusammen mit Flo und Lorenz treffen und den Abend zu sechst am einzigen Abfluss von Lake Taupo ausklingen lassen. Am Lake Taupo gibt es eine s.g. Hole in One Challenge. Das Golfloch ist auf einer kleinen Insel im See und der Abschlag auf der Uferpromenade. Daniel und ich konnten es uns nicht nehmen lassen, jeweils 3 Schläge zu wagen. Weil wir die ersten waren und noch nichts los war, haben wir noch eine kurze Einweisung bekommen. (Ich habe mit Daniel gewettet, dass ich zumindest einmal die Insel treffe - Fehlanzeige. Aber er hat sie auch nicht getroffen.) Im Anschluss sind wir zum 100 Meter entfernten Yacht Hafen, waren aber nur 10 Minuten dort und haben unseren Blick drüber schweifen lassen. Eigentlich waren wir mehr auf der Suche nach ein bisschen Action. Also sind wir ins I-Site (Touristeninformationszentrum) rein marschiert und haben gesagt, dass wir über einen Skydive nachdenken. Sie hatten in 10 Minuten noch was frei - wenn dass mal kein Schicksalswink war… Keine ganze Stunde später saßen wir im Flugzeug. Ganz im Gegenteil zu unseren Erwartungen kann man, wenn man erst einmal oben ist, es kaum noch abwarten raus zu springen. War klasse. 60 Sekunden freier Fall. Ich kann‘s nur empfehlen. Bevor wir gesprungen sind, hat Daniels Tandemsprungpartner noch gestanden, dass es seine erste Woche hier ist: "Are you scared now?" Ist aber alles super verlaufen.
Nachdem wir wieder festen Boden unter den Füßen hatten, waren die Huka Falls das nächste Ziel. Der einzige Ablauf des größten Sees Neuseelands (Lake Taupo) endet in faszinierenden Stromschnellen und einem Wasserfall, durch den pro Sekunde 200.000 Liter Wasser fließen.
Sobald wir wieder im Auto saßen verabredeten wir uns mit Flo und Lorenz an der Uferpromenade. Bei unserer Ankunft saßen sie mit zwei israelischen Backpackerinnen am Ufer, die an der selben Stelle kurz Rast machen wollten. Letztendlich haben wir alle zusammen auf dem gleichen Campingplatz am Ablauf von Lake Taupo übernachtet. Der größte Hammer war, dass die zwei bis vor ihrer Abreise noch in der israelischen Armee waren und Holocaust Witze gerissen haben.
Freitag war im Vergleich zu Donnerstag bei weitem nicht so vollgestopft. Wir haben uns zu viert noch ein wenig die Umgebung um Taupo angeschaut und sind dann zu einem warmen Strom, der in einen der zahlreichen Flüsse mündet gefahren. Eigentlich ist der Strom eine Touristenattraktion, aber wir waren weder die ersten noch die einzigen an diesem Tag, die darin gebadet haben. Allerdings waren wir wahrscheinlich die ersten, die den Rasierer und das Shampoo ausgepackt haben - war wieder ne Heidengaudi.




Nach der Morgentoilette wollten wir eigentlich in einen National Park fahren, und den „Schicksalsberg“ aus Der Herr der Ringe-Trilogie hoch wandern. Die „Karte für dumme Touristen“ hat uns aber ein wenig hinters Licht geführt, was die Entfernung anging. Sobald wir ihr auf die Schliche gekommen waren, haben wir die Fahrt dorthin abgebrochen und sind stattdessen nach Rotorua aufgebrochen.
Kurz vor Rotorua wollten wir übernachten. Die Suche nach einem Schlafplatz war nicht ganz so einfach wie die Tage davor. Schließlich haben wir bei einer Gaststätte auf dem Parkplatz gehalten und Flo und Lorenz wollten den Besitzer fragen, ob wir bei ihm auf dem Rasen hinterm Haus campen dürften. Ich war dagegen, weil ich mir unmöglich vorstellen konnte, dass der Wirt sich darauf einlässt, zumal ein Schild ein Zimmer für 50 Dollar die Nacht anbot. Flo und Lorenz  gingen trotzdem rein. Als sie zurück kamen meinten sie, der Kerl wäre total unfreundlich gewesen und hätte gemeint, dass wir uns zum Teufel scheren sollten. Ich hab‘s ihnen sofort abgekauft. Danach hat Flo das Auto auf dem Rasen hinterm Haus geparkt und dem perplexen Fabi erklärt, dass wir hier campen dürften und der Wirt super freundlich wäre. Auf jeden Fall haben sie mich dran gekriegt. Aber wie hätte es auch anders sein sollen. Die Mentalität der Leute hier glaubt und versteht man als Deutscher erst, wenn man sie erlebt hat. Es war für den guten Herr neuseelandtypisch selbstverständlich uns auf seinem Rasen campen zu lassen. Er hat uns noch angeboten seine Toiletten und seinen Pooltisch zu benutzen und war alles in allem ziemlich zuvor kommend - für deutsche Verhältnisse undenkbar, aber in Neuseeland ganz normal. Direkt nach unserer kostenlosen Übernachtung sind wir zum 500 Meter entfernten Thermal Wonderland gefahren. Dort gibt es einen Geysir, den größten heißen See der Welt und alles in allem brodelt und blubbert es überall. (Nebenbei erwähnt raucht es auch außerhalb von diesem Park rund um Rotorua öfters einfach mal so aus dem Boden.) Der Geysir bricht pünktlich um 10.15 Uhr eine Stunde lang  aus. Dementsprechend versammeln sich hinter der Absperrung auf der Tribüne um diese Uhrzeit zahlreiche Besucher und ein Moderator erläutert kurz vor der Eruption, was da jetzt eigentlich gleich passiert. Er wollte seinen Abgang mit einem kleinen Witzchen untermalen als er kurz vor dem Ausbruch meinte, er müsse jetzt weg, denn er hätte heute Morgen schon geduscht, aber falls ein paar Backpacker da wären, die das heute Morgen versäumt hätten, könnten sie gerne nach vorne kommen. Und es gab tatsächlich so ein paar verrückte deutsche Backpacker, die sich das Spektakel fünf Minuten lang angeschaut haben, dann zum Auto sind, sich Handtücher und Shampoo geholt haben, über die Absperrung sind und sich geduscht haben… crazy Germans - war ne hammer Gaudi.  Nachdem wir wieder sauber und trocken waren, haben wir eine Rafting Tour für den nächsten Tag über den höchsten kommerziell gerafteten Wasserfall gebucht und uns dann den Rest des Parks angeschaut. Diese brodelnde heiße Steinlandschaft sah etwas trostlos aber auf jeden Fall interessant aus. Das Thermal Wonderland war nicht mehr weit von Rotorua entfernt. 20 Minuten später, samstags mittags, haben wir an der Uferpromenade von Rotorua zu Mittag gegessen. Anschließend haben wir uns das alte Badehaus angeschaut und ein Freibier in einer Kneipe genossen. Den Gutschein für das Bier gab es in einer Touristenbroschüre. Aus der Kneipe wieder im Auto fuhren wir direkt zum Campen auf den Parkplatz des Raftingveranstalters mit dem Hintergedanken am nächsten Morgen direkt vom Bett ins Raft zu steigen. (Erstens, ja, selbstverständlich haben die uns da übernachten lassen und zweitens, wir dürfen hier mit Freibier im Blut noch Autofahren, aber ich habe nur eine Freicola getrunken und uns hin kutschiert. Man muss das Schicksal ja nicht heraus fordern. Ach ja bevor ich‘s vergess, ich bin auf einer ruhigeren Straße, obwohl ich nur eine Freicola hatte, versehentlich rechtsrum durch den Kreisel. Wollte ich sowieso hier mal machen. Damit wäre das auch abgehackt.).
Am Sonntagmorgen ging es dann wie geplant vom Bett ins Raft und einen - mal wieder - wunderschönen Fluss hinunter. Der höchste Wasserfall der Tour war letztendlich doch nur 7 Meter hoch. Wer schon mal richtig Kayaking gemacht hat, lacht darüber nur. Aber für ein Raft ist das trotzdem der höchste kommerziell befahrene. Das Raft vor uns ist gekentert. Eigentlich haben wir sogar alle gehofft, dass wir umkippen und uns wieder ins Boot kämpfen müssen, aber wir sind unspektakulär einfach runter gefahren. Später durften wir dann aber doch noch ins Wasser hüpfen, wenn es uns schon nicht raus gehauen hat. Ich glaube Flo hat am meisten Adrenalin mit bekommen, weil er es nicht mehr rechtzeitig wieder ins Raft geschafft hat und noch außen am Seil hing, als es den nächsten Wasserfall runterging. Wir wurden auf jeden Fall alle gut nass und hatten einen riesen Spaß.
Vom Boot zurück ins Auto und zurück ins Stadtzentrum von Rotorua, wo wir uns im i-Site wieder die Touristenbroschüre mit dem Bier-/Colagutschein geholt haben und einfach wieder in die gleiche Kneipe sind. Die übernetten Neuseeländer haben, nachdem wir sie gefragt hatten, extra für die dreisten Freibiertrinker die Wiederholung des All Black-Spiels vom Vortag von ihrer Festplatte auf den Bildschirm gezaubert. Wir konnten sie allerdings nicht komplett anschauen, da wir um 20 Uhr eine Verabredung im McDonalds in Te Puke hatten. Yannick, ein weiterer Deutscher, mit dem sich Daniel am Hot Water Beach unterhalten hatte, wartete dort auf uns. Er ist seit März hier und beantragt gerade eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung, weil er einen guten Job als Gärtner auf einer Kiwiplantage gefunden hat und dort ein paar Jährchen bleiben will. Er hat vom Kiwibauer auf der Plantage kostenlos ein Häuschen zur Verfügung gestellt bekommen, in dem noch zwei Zimmer frei sind. Da haben wir sonntags abends noch eingecheckt.  Eigentlich war mal wieder alles ein riesengroßer Zufall. Daniel hatte mit Yannick am Hot Water Beach Handynummern ausgetauscht und ihn während unserer Jobsuche in Gisborne einfach mal angerufen. Yannick hat uns an seinen Kiwibauern vermittelt für den wir jetzt für einen vernünftigen Stundenlohn ohne zwischen geschalteten LohnmINDERer achteinhalb Stunden am Tag arbeiten können. Wir leben direkt auf der Kiwifarm und gerade eben ging unser erster Arbeitstag zu Ende und ich hab mich dran gemacht die letzte Woche in einen Blogeintrag zu pressen. Nach sieben Tagen Zigeunerleben weiß man vier Wände um sein Bett wieder zu schätzen. Aber wie lange wie hier bleiben steht noch nicht fest. Ich denke, dass es uns bald weiter zieht.

Bis Bald, eure Chaostruppe
Fabi, Flo und Daniel

Ps. Eigentlich haben wir einen Haufen interessante und lustige Bilder und Videos zu allem, aber irgendwie funktioniert der Upload nicht. Falls wir das Problem irgendwie behoben bekommen, werden sie nachgeliefert.

Edit: So, hier die versprochenen Bilder. Zum Einsortieren habe ich leider keine Zeit.

Heisse Pools im Dschungel..




Der Traum jedes Campers
Lake Zeltfabi
Backpacker Town
Unser Wanderweg ans Cape Kidnappers
Abendstimmung am Lake Taupo
Hole in One Challenge. Man achte auf die Lage des Balls...
5000 Meter ueber Lake Taupo
Die Huka Falls

Schon wieder heisses Wasser... wird langsam normal hier.
Uebernachtung im Garten von freundlichen Neuseelaendern
Lady Knox - wieder warmes Wasser zum Duschen
Unser neuer Job...

...und unsere neue Bleibe.

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